Jüdische Gemeinde Hameln

Ein Sonderbericht von Danya Mavor

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Danya Mavor
Die dreizehnjährige Danya Mavor aus Needham in Massachusetts feierte am 22. September 2002 ihre Bat Mitzvah.  Sie entschied sich, für ihr Bat Mitzvah Projekt einen Bericht über die jüdische Gemeinde in Hameln zu schreiben.  Ihre Entscheidung begeisterte uns und wir versuchten, ihr bei ihren Nachforschungen behilflich zu sein.  Als ihr großer Tag gekommen war, präsentierte sie ein Poster über unsere Gemeinde und hielt eine Rede, welche alles beinhaltete, was sie in Erfahrung gebracht hatte.  Zu Ehren ihrer Bat Mitzvah bat sie ihre Gäste um eine Spende für den Bau unserer Synagoge. Dabei wurden 234 Dollar gesammelt und an uns gesandt.  Danke schön, Danya!

     Die jüdische Gemeinde, die ich gewählt habe, ist die in Hameln.  Im zweiten Weltkrieg wurde diese kleine jüdische Gemeinde in Deutschland zerstört und jetzt, nach vielen Jahren, ist Hamelns neue jüdische Gemeinde bereit, das Verlorene wieder aufzubauen.

     In 851 wurde ein Benediktiner-Kloster direkt an der Weser gegründet, dort wo jetzt Hameln steht. Die Stadt Hameln selbst wurde um 1200 gegruendet.  Hameln wurde durch die Geschichte des Rattenfängers von Hameln so etwas wie eine Legende.  Um 1277 haben sich sieben jüdische Familien in Hameln niedergelassen, und die erste Synagoge wurde um 1341 gebaut.

     In der Zeit des vierzehnten bis sechszehnten Jahrhunderts wurden die jüdischen Bürger mehrmals aus der Stadt gewiesen, aber ein paar Familien war es aus ökonomischen Gründen immer wieder gestattet, zurückzukommen.  Einer der zwei Juden, die um 1615 zurückkehren durften, war Joseph Hameln, ein reicher Händler.  Dessen Sohn, Chayim Hameln, heiratete eine jüdische Frau namens Gluckel, die ein Tagebuch über das jüdische Leben in Deutschland zwischen dem frühen 16.  Jahrhundert und dem 17. Jahrhundert schrieb.

     Sie war 14 Jahre alt als sie heiratete und sie lebte im ersten Jahr ihrer Ehe bei der Familie ihres Mannes.  Sie beschrieb Hameln als ein „langweiliges, schäbiges Nest” im Vergleich zu Hamburg.  Ihr Schwiegervatar beschrieb die Hamelner als „einfaches LandVolk”.  Gluckel war der Ansicht, dass Hameln kein Handelszentrum sei und, da ihr Mann nicht von Geldleiherei an Bauern leben wollte, dass sie nach Hamburg umziehen müssten.

Synagoge in der Bürenstraße
Ansicht der 1938 zerstörten
Synagoge in der Bürenstraße

     Eine kleine jüdische Gemeinde blieb in Hameln zurück.  In 1743 wurde ein jüdischer Friedhof gegründet, welcher bis heute überlebt hat.Um 1877 waren ungefähr 200 Menschen in der jüdischen Gemeinde.  Sie kauften in der Bürenstraße ein Stück Land und dort wurde in dem damaligen Stil eine große Synagoge erbaut.  Zu Beginn des zweiten Weltkrieges waren viele Familien in größere Städte gezogen und die Gemeinde war auf 153 Mitglieder geschrumpft.  Die Synagoge wurde in der Kristallnacht, heute als Progrommnacht bekannt, durch Feuer zerstört.  Einige der Mitgleider der Gemeinde wurden deportiert und insgesamt 101 Hamelner Juden wurden im Holocaust ermordet.  Keiner der Überlebenden kehrte nach Hameln zurück. 

     In 1989 lebten ungefähr 30.000 Juden in Deutschland.  Die deutsche Regierung hatte viele jüdische Familien aus der ehemaligen Sowjetunion eingeladen nach Deutschland zu kommen und in Städten zu wohnen, wo vor dem zweiten Weltkrieg noch ein reges jüdisches Leben herrschte.

     In 1997 gründete Rachel Dohme die neue Jüdische Gemeinde Hameln.  Heute hat die Gemeinde 200 Mitglieder, die meisten aus der ehemaligen Sowjetunion.  Die Gemeinde veranstaltet viele religiöse und soziale Feste und Ereignisse, unter anderem Schabbat und andere Feiertage, eine Religionsschule für Kinder und Erwachsene, eine jüdische Musikgruppe und einige Deutschkurse.  Rabbinerin Irit Shillor besucht die Gemeinde einmal im Monat und bald wird auch Rabbinerstudentin Alina Traiger die Gemeinde einmal im Monat besuchen.  Kantor Francois Lilienfeld besucht die Gemeinde jedes Jahr, um die hohen Feiertage mit der Gemeinde zu feiern.

     Mit dem Beginn des Herbstes finden auch viele Aktivitäten in der wachsenden Gemeinde statt.  Dabei war das Hauptereignis der kürzliche Besuch der Rabbinerin Jo David.  Rabbinerin David hat mehrere Workshops geleitet und der Gemeinde bei Bauplanungen zur Seite gestanden.  Rabbinerin David ist die geschäftsführende Direktorin der „Jewish Appleseed Foundation” in New York.  Die Foundation hilft vielen kleinen jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt, darunter einige progressive Gemeinden in Deutschland.  Dies nur weil die orthodoxen jüdischen Gemeinden sich weigern, den progressiven zu helfen.  Die Foundation hatte im Mai 2000 schon den Rabbiner Arnold Zoref nach Hameln geschickt, um dort religiöse Aktivitäten zu leiten.  Er leitete die erste jüdische Heirat in Hameln nach dem Holocaust.  Die Foundation unterstützt außerdem die Homepage der jüdischen Gemeinde Hameln.  Die Gemeinde in Hameln gehört zu der Union für progressives Judentum in Deutschland, zu der Welt Union für progressives Judentum und der Organisation Frauen des reformierten Judentums.  Die Gemeinde arbeitet eng mit der örtlichen Regierung, kulturellen und kirchlichen Gruppen und der Organisation für Christlich-Jüdische Solidarität.

     Im November 2001 wurde das Land, auf dem die jüdische Synagoge einst stand, an die jüdische Gemeinde zurückverkauft.  Das Land wird eine Synagoge, eine Schule, ein kleines Museum und ein Holocaust Denkmal beherbergen.  In diesem Jahr baute die Gemeinde dort eine Sukah, die erste seit 1938.  Wenn die Synagoge gebaut ist, wird es die erste Neubau einer Reformsynagoge in Nachkriegs Deutschland.



Danksagungen:  Ich möchte mich bei Rachel Dohme, Präsidentin der jüdischen Gemeinde Hameln, dafür bedanken, dass sie meinen Wunsch nach Informationen an Rabbinerin Jo David weiterleitete.  Auch bin ich Rabbinerin David sehr dankbar, welche mir viele Informationen für meinen Bericht zur Verfügung stellte, einschließlich ihres Berichts über die Geschichte der Juden in Hameln.